Grundlagen der Ahnenforschung in Schlesien

Diese Seite dient einer Einführung in die Ahnenforschung in Schlesien und hat mit dem Rest dieses Blogs nichts zu tun.

Neben den Grundlagen der Ahnenforschung in Schlesien werden auch die wichtigsten Quellen, Archive und Forscherhilfen behandelt, die die Suche erleichtern sollen. Ebenso möchte ich wichtige Sekundärquellen (Zeitungen, Grundakten, etc.) behandeln und das Vorhandensein von Akten verschiedener Institutionen des ehemaligen deutschen Reichs behandeln (Stadtverwaltung, Gerichte, Katasterämter).

Diese Seite wird laufend aktualisiert wenn neue Materialien oder Informationen auftauchen oder wenn ich neue Forschungswege oder Hilfsmittel entwickle. Letzte Aktualisierung: 20.01.2020

Aufzeichnungen

Christoph-www:

Der allererste Anlaufort für die Ahnenforschung in Schlesien ist christoph-www.de (mit eigener Seite für Breslau). Auf dieser Seite werden in erster Line alle bekannten noch vorhandenen Kirchenbücher und Zivilstandsregister verzeichnet. Ebenso werden Ortsfamilienbücher und Indexe verzeichnet. Hier sollte man einiges beachten:

  • Wird der gesuchte Ort nicht erwähnt, so hatte dieser wohl keine eigene Kirche oder Standesamt (siehe Unterpunkt “Ortssuche”).
  • Wird “Mormonenfilm” erwähnt, so sollte man auf familysearch.org nachsehen, ob die Unterlagen dort online sind (kostenloses Konto benötigt).
  • Wird “Standesamt I Berlin” oder “Landesarchiv Berlin” erwähnt, so sind diese Unterlagen wahrscheinlich schon auf der kostenpflichtigen Seite Ancestry.de in dieser Sammlung online und indexiert.
  • Wird das Evangelische Landesarchiv Berlin (ELAB) oder Evangelische Zentralarchiv Berlin (EZAB) erwähnt, so sind diese Unterlagen wahrscheinlich schon auf der kostenpflichtigen Seite Archion.de online (man kann selber nachsehen, welche Bestände online sind).
  • Bis um 1758 wurden Lebensereignisse von evangelischen Schlesiern auch in katholischen Kirchenbüchern verzeichnet.
  • Die Seite erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der überlebenden Unterlagen. Gerade jüngere Jahrgänge von katholischen Kirchenbüchern liegen oft noch in den Pfarreien vor Ort. Die Seite wird aber laufend aktualisiert. Sollte man Hinweise haben, die die Seite weiter komplettieren würden, so wäre es löblich, diese dem Autoren der Seite zukommen zu lassen.
  • Die Seite ist nicht immer aktuell. Die Angaben zu heute noch in polnischen Standesämtern liegenden Zivilstandsregistern stammen aus einem jahrealten Buch. Vor allem Ehe- und Sterberegister wurden aufgrund einer Gesetzesänderung weitgehend an die Staatsarchive übergeben. Die Unterlagen im Staatsarchiv Warschau wurden inzwischen an die schlesischen Archive zurückgegeben, der Großteil der Unterlagen im Standesamt I Berlin liegt heute im Landesarchiv Berlin.

Schneller forschen durch Indexierte Aufzeichnungen

Einsteiger machen oft den Fehler, nicht zuerst auf indexierte Aufzeichnungen zurückzugreifen. Dadurch wird die eigene Forschung verlangsamt und man sucht sonst eventuell am falschen Ort. Deswegen empfiehlt sich eine Suche in indexierten Aufzeichnungen. Wie man auf dieser Karte sieht, gibt es bereits für viele Orte Schlesiens Indexe, OFBs und regionale Datenbanken. Hier noch ein paar Webseiten, die man durchsuchen sollte:

  • Geneteka: geneteka.genealodzy.pl ist eine Seite mit von von Freiwilligen erstellten Indexen. In Schlesien wurden vorwiegend Heiraten indexiert. Man kann entweder per Klick auf die Karte eine gewisse Region durchsuchen oder einfach alle Regionen auf per Klick auf die Lupe. Aufpassen: Normalerweise werden äöüß als ae oe ue ss erfasst. Da die Suche diese nicht gleichsetzt, muss man nach beiden Varianten suchen.
  • Compgen / genealogy.net: Compgen.de ist die Webseite des Vereins für Computergenealogie e.V. und bietet neben Ortsfamilienbüchern (OFBs) und den Verlustlisten des 1. Weltkriegs auch eine Datenbank mit Usererstellten Familienstammbäumen (GEDBAS) sowie indexierte Adressbücher. Man kann alle Datenbanken hier gleichzeitig durchsuchen.
  • Posen-Projekt: Das Posen-Projekt indexiert Heiraten im Zeitraum 1800-1899 in der Provinz Posen. Da auch Grenzorte in Schlesien mit einbezogen werden, ist eine Suche besonders bei Ahnen im nördlichen Schlesien sinnvoll.
  • BaSIA: Ähnlich wie das Posen-Projekt ist BaSIA vor allem für Posen zuständig. Wie man hier sieht, indexiert die Seite aber auch Aufzeichnungen aus verschiedenen Orten Schlesiens. Es werden nicht nur Zivilstandsregister indexiert, sondern auch alle möglichen anderen Unterlagen in den polnischen Staatsarchiven.
  • Ancestry: Die Bezahlseite Ancestry hat in der Sammlung “Östliche preußische Provinzen, Polen, Personenstandsregister 1874-1945” Zivilstandsregister von zahlreichen Orten Schlesiens, die sich heute im Landesarchiv Berlin befinden, zugänglich gemacht. Die Aufzeichnungen können komplett durch die Suchfunktion durchsucht werden.
  • Schlesische Provinzialblätter: Die Schlesischen Provinzialblätter (1785-1849) waren eine Zeitung für die Eliten Schlesiens. Wenn man Mitglieder des Adels, des evangelischen Klerus, höhere Beamte, oder reiche Kaufleute unter seinen Vorfahren hat, so ist eine Suche in dieser Zeitung angeraten. Bisher kann man nur Geburten und Heiraten durchsuchen – nach Toten müsste man manuell blättern.
  • Sonstige Zeitungen: Auch Zeitungen kann man in Volltextsuche durchsuchen. Siehe hier.

Bestände der polnischen Staatsarchive

Szukajwarchiwach.pl (auch szukajwarchwiach.gov.pl

Szukajwarchiwach.pl ist die Webseite der polnischen Staatsarchive. Hier werden alle Bestände der polnischen Staatsarchive aufgelistet und auch Digitalisate dieser Bestände angeboten. Inzwischen sind mehr als 35 Millionen Scans online, mit einem Fokus auf Kirchenbüchern und Zivilstandsregistern. Es empfiehlt sich eine Suche nach den deutschen und polnischen Ortsnamen und auch den eigenen Familiennamen. Auf diesem Wege lässt sich feststellen, ob es Akten mit diesen Suchbegriffen im Titel gibt. Über Filter kann man die Suchergebnisse weiter einschränken, z.B. auf gewisse Archive.

Archeion.net

Archeion.net ist die Webseite des Breslauer Staatsarchivs. Es erfüllt dieselbe Funktion wie szukajwarchiwach, ist aber weitaus schlechter bezüglich der Suchfunktion und benötigt zudem DJVU zum Ansehen von digitalisierten Unterlagen.

Archive

Staatsarchive

Staatsarchive (“Archiwum Państwowe”) bewahren in erster Linie Zivilstandsregister, Kirchenbuchduplikate und Akten der preußischen Verwaltung auf. Staatsarchive können generell auf Deutsch oder Polnisch angeschrieben werden. Relevant für Schlesien sind:

  • Staatsarchiv Breslau (Wrocław)
  • Filiale Bolesławiec (Bunzlau)
  • Filiale Hirschberg (Jelenia Góra)
  • Filiale Kamenz (Kamieniec Zabkowicki)
  • Filiale Liegnitz (Legnica)
  • Staatsarchiv Grünberg (Zielona Góra)
  • Staatsarchiv Kattowitz (Katowice)
  • Filiale Gleiwitz (Gliwice)
  • Filiale Pless (Pszczyna)
  • Filiale Ratibor (Racibórz)
  • Filiale Teschen (Cieszyn)
  • Staatsarchiv Oppeln (Opole)
  • Staatsarchiv Tschenstochau (Częstochowa)
  • An der Grenze zu Posen auch Lissa (Leszno) und Kalisch (Kalisz)

Diözesanarchive

Diözesanarchive (“archiwum diecezjalne”) bewahren in erster Linie katholische Kirchenbücher auf. Polnische Diözesanarchive sollten auf Polnisch angeschrieben werden (Vorlage hier). Aufpassen: Die Gegend um Leobschütz (Głubczyce) gehörte historisch zur Diözese Olmütz in Österreich-Ungarn (jetzt Olomouc in Tschechien). Die Kirchenbuchduplikate der Diözese Olmütz werden vom Staatsarchiv Troppau (Opava) aufbewahrt und sind hier online.

Standesämter

Standesämter (“urząd stanu cywilnego”, “USC”) bewahren, soweit sie noch unter Datenschutz liegen, Zivilstandsregister auf. Zuständig ist im Normalfall das Standesamt in der Gemeinde (“gmina”), zu der das historische Standesamt heute gehört. Standesämter sollten auf Polnisch angeschrieben werden (Vorlage hier).

Pfarrarchive

Viele Pfarreien (“parafia”) bewahren noch heute Kirchenbücher auf, zumeist aus dem 20. Jahrhundert. Pfarreien sollten auf Polnisch angeschrieben werden (Vorlage hier). Oft ist eine postalische Anfrage aussichtsreicher.

Primärquellen

Zivilstandsregister

Zivilstandsregister wurden in Schlesien am 1. Oktober 1874 eingeführt. Diese werden heute meist von Standesämtern und Staatsarchiven aufbewahrt.
Man unterscheidet hier zwischen fünf wichtigen Typen:

  • Geburten (księgi urodzeń)
  • Heiraten (księgi małżeństw)
  • Tote (księgi zgonów)
  • Aufgebotsregister/Belegakten (alegata, akta zbiorowe): In Aufgebotsregistern wurde die Heirat vor dem Heiratstermin angemeldet und alle nötigen Dokumente aufbewahrt (Geburtsurkunden von auswärtigen Brautleuten, Wohnbescheinigungen, Dienstausweise, Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Konsens der Eltern, Todesurkunden/Heiratsurkunden von vorigen Ehepartnern und verstorbenen Eltern, etc.). Belegakten zu Toten und Geburten beinhalten Unterlagen wie z.B. amtliche Geburts- oder Todesanzeigen, Korrekturanordnungen, etc. LEIDER haben Aufgebotsregister und Belegakten nur in sehr wenigen Orten überlebt, besonders in den großen Städten Oberschlesiens.
  • Indexe (indkesy, skorodwidze): Indexe wurden leider historisch oft nicht angelegt; gerade im Einzugsbereich des Staatsarchivs Kattowitz wurden aber nachträglich Indexe angelegt.

Aufpassen: Zivilstandsregister wurden stets mit einer identischen Kopie geführt (Haupt- und Nebenregister). Ancestry hat generell nur die Nebenregister, während die Hauptregister noch in den polnischen Archiven liegen. Wenn am Ende der Aufzeichnung ein “Die Übereinstimmung mit dem Hauptregister beglaubigt” o.Ä. zu finden ist, handelt es sich um ein Nebenregister. Die Unterschriften im Nebenregister sind nicht original, sondern vom Standesbeamten hinzugefügt. Generell ist es immer besser, den Hauptregistereintrag zu besitzen. Während Korrekturen, Namensänderungen und Scheidungen auch im Nebenregister vermerkt wurden, sind Querverweise zu z.B. Geburten von Kindern oder Todesfällen unter den Ehepartnern im Nebenregister oft nicht verzeichnet.

Kirchenbücher

Kirchenbücher sind die wichtigste Quelle für die Zeit vor Oktober 1874. Katholische Kirchenbücher sind heute zumeist in Diözesanarchiven und (bei jüngeren Büchern) Pfarreien zu finden, evangelische Kirchenbücher (soweit sie überlebt haben) findet man generell in Staatsarchiven. Garnisonskirchenbücher für evangelische Soldaten und Militärkirchenbücher für spezifische Regimenter haben generell im GStA PK in Berlin überlebt, während katholische Militärkirchenbücher meist im Archiv des katholischen Militärbischofs der Bundeswehr in Berlin zu finden sind. Erstere sind oft bei Ancestry ($) oder Familysearch online, während die Letzteren bei Matricula-Online zu finden sind.

Es gibt Tauf-, Trauungs- und Begräbnisbücher, früher auch Aufgebotsbücher; ebenso gibt es Listen von Firmlingen, Konfirmanden, und bei katholischen Gemeinden auch manchmal Seelenlisten (“Kommunikanten”). Familienbücher, wie man sie z.B. aus Baden-Württemberg kennt, wurden generell nicht angelegt, nur wenige Gemeinden haben welche (z.B. die evangelische Gemeinde von Pless).

Überlebt haben Kirchenbücher vielerorts erst ab 1765/1766. Im Zeitraum von 1794 bis Oktober 1874 gibt es neben den Originalkirchenbüchern auch identische Kopien (“Duplikate”), die an das zuständige Amtsgericht abgegeben wurden und heute meist in den Staatsarchiven liegen. Allerdings wurde die Fertigstellung dieser Duplikate verschlafen, weshalb oft nur für einen begrenzten Zeitraum Duplikate vorhanden sind.

Aufpassen: Generell wurde am Wohnort der Braut geheiratet. Bis um 1758 wurden Lebensereignisse von evangelischen Schlesiern auch in katholischen Kirchenbüchern verzeichnet. 

Konfessionen

Man sollte beim Forschen aufpassen, dass es einen Unterschied zwischen den “normalen” evangelischen und den lutherischen (auch altlutherischen) Einwohnern Schlesiens gab. Beide hatten eigene Kirchen, wobei die Lutheraner eine kleine Minderheit darstellten. Ebenso lassen sich in Schlesien auch christkatholische und baptistische Gemeinden finden, für die fast überhaupt keine Kirchenbücher überlebt haben. In Hussinetz, Reinerz, Friedrichsthabor, Friedrichsgrätz und Petersgrätz finden sich auch evangelisch-reformierte Gemeinden böhmischen Ursprungs. Die dortigen Exulanten verwendeten oft sowohl tschechische Namen, als auch ihre deutschen Äquivalente. Andere evangelisch-reformierte Schlesier stammen oft aus der Schweiz.

Militärkirchenbücher

Das preußische Militär hatte getrennte Kirchenbücher für Lebensereignisse von im Militär angestellten Personen. Auch wenn diese Ereignisse oft auch in zivilen Kirchenbüchern vermerkt wurden, so können sie dennoch zusätzliche Informationen liefern und eine wichtige Quelle für Gegenden darstellen, in denen andere Unterlagentypen nicht gut erhalten sind.

Militärkirchenbücher gibt es sowohl für die Garnisonen spezifischer Städte, als auch für spezifische Einheiten, meist auf der Regimentsebene. Während Garnisonskirchenbücher normalerweise die Lebensereignisse von Militärpersonen aufzeichneten, die in der Garnison arbeiteten oder sich zufällig in der Stadt aufhielten, enthalten Regimentskirchenbücher nur die Ereignisse von Personen, die diesen Regimentern angehörten.

Hinweis 1: Regimenter waren oft in mehreren Städten gleichzeitig stationiert, welche sich in manchen Fällen oft änderten. Ebenso wurden Soldaten oft zwischen den Truppenteilen in den verschiedenen Städten versetzt. Um der großen geographischen Distanzen und der wankelmütigen Natur der Regimenter Herr zu werden, hatten die Regimenter eigene Kirchenbücher an allen Standorten. Zudem wurden Lebensereignisse nicht nur in den Kirchenbüchern des Ortes, an dem sie stattfanden, verzeichnet, sondern auch in den Kirchenbüchern aller anderen Städte, in denen das Regiment zu diesem Zeitpunkt stationiert war. Zum Beispiel lässt sich die Taufe eines Kindes eines Ulanen des Ulanenregiments Nr. 1, das in Ostrowo geboren wurde, nicht nur dort, sondern auch in Posen, Lüben und Militsch nachweisen. Natürlich ist es stets am besten, den Originaleintrag aus dem Geburtsort zu bekommen.

Hinweis 2: Alle altpreußischen Infanterieregimenter hatten spezifische Kantone, normalerweise bestehend aus 2-4 Landkreisen, aus denen ihre Rekruten stammten. Dies änderte sich erst mit der Reform der altpreußischen Armee 1813, als das Kantonsystem durch die allgemeine Wehrpflicht ersetzt wurde. In der entstandenen neupreußischen Armee gab es nun sogenannte Ersatzbezirke, mit verschiedenen Bezirken für Infanterie und Landwehr, welche sich zudem über die Jahre hinweg änderten. Die Truppen wurden zudem durch Freiwillige aus dem Umkreis des Regimentsstandorts ergänzt. Steckt man irgendwo fest oder möchte man wirklich alle Quellen ausschöpfen, so ist es also empfehlenswert, sich auch die Kirchenbücher der Infanterie- und Landwehrregimenter, die ihre Rekruten aus dem gesuchten Kreis bezogen, anzusehen. Beispielsweise kann man auf der Suche nach Personen aus den Kreisen Steinau, Wohlau und Militsch auf die Kirchenbücher des altpreußischen Infanterieregiments Nr. 43 zurückgreifen.

Sekundärquellen

Adressbücher

Adressbücher wurden meist auf Kreisebene angelegt und erschienen meist erst ab ~1850, oft aber erst viel später. Die Kategorieseite gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Adressbücher und wo sie zu finden sind. Unter Umständen sind weitere Adressbücher in dieser Sammlung bei Ancestry ($) zu finden (rechts Polen auswählen). Zum Teil wurden Adressbücher auch auf genealogy.net indexiert. Adressbücher beginnen meist mit der Kreisstadt, gefolgt von den anderen Orten des Kreises. Einige Adressbücher für Großstädte haben zudem ein Verzeichnis aller Bewohner nach Häusern geordnet, was dabei helfen kann, Verwandte im selben Haus aufzuspüren.

Zeitungen, Ortschroniken, Pfarrchroniken, Schulchroniken

Zeitungen, Ortschroniken, Pfarrchroniken, Schulchroniken stellen eine weitere interessante Quelle dar und beinhalten oft für Ahnenforscher interessante Details zu Personen und Orten. Wie man diese findet und durchsucht, kann man hier nachlesen.

Grundakten

Grundakten (“akta gruntowe”) und Kataster (księga katastralna) haben für viele Orte Schlesiens überlebt. Meist reicht eine Suche auf szukajwarchiwach.pl, um das Vorhandensein diser Akten festzustellen. Oft lässt sich aber ohne eine Suche vor Ort im Archiv nicht feststellen, welche Akte genau relevant ist. Ebenso gibt es das Problem, dass Grundakten früher durch die Amtsgerichte aufbewahrt wurden, welche aber oft nur als Konvolute ohne genaue Angaben zu den Inhalten in den polnischen Staatsarchiven liegen. Von daher ist es nicht auszuschließen, dass man die Akten eventuell im Bestand des zuständigen Amtsgerichts findet (siehe Unterpunkt “Akten der Verwaltung”). Grundakten enthalten oft auch persönliche Dokumente wie zum Beispiel Testamente.

Urbarien

Für die 1700er Jahre gibt es sogenannte Urbarien, in denen gewisse Personengruppen verzeichnet wurden. Diese Urbarien stellen die ältesten Einwohnerverzeichnisse Schlesiens dar.

Karolinisches Kataster

Das Karolinische Kataster wurde unter Kaiser Karl VI in den Jahren 1722-1726 angelegt, um das alte Steuerkataster zu ersetzen und das Steuersystem zu modernisieren. Ähnlich wie Urbarien listet das Karolinische Kataster die Einwohner der schlesischen Dörfer auf. Die noch überlebenden Kataster liegen heute im Staatsarchiv Breslau, Einheit 82/164/0.

Unterlagen zur Abschaffung der Leibeigenschaft

Die Leibeigenschaft wurde in Preußen nur langsam im 19. Jahrhundert abgeschafft. Davor mussten Bauern ihren Herren Abgaben und Dienste (zum Beispiel Dreschen der Ernte) leisten. Die Generalkommission für Schlesien in Breslau wurde eingesetzt, um die weitreichenden Änderungen umzusetzen und den nun freien Bauern Land zuzuteilen. Dies geschah normalerweise in der Form von Rezessen (“Rezess”, “Recess”, “Ablösung”). Auch diese Aufzeichnungen sind im Grunde Einwohnerlisten.

Die Unterlagen der Generalkommission für Schlesien liegen heute im Staatsarchiv Breslau, Einheit 82/192/0Die Unterlagen zu den Kreisen Glogau, Freystadt, Grünberg und Sagan hingegen liegen im Staatsarchiv Grünberg, Einheit 89/950/0.

Lastenausgleichsarchiv / Ostdokumentation

Das Staatsarchiv Bayreuth bewahrt heute zwei relevante Bestände auf:

  • Lastenausgleichsarchiv: In diesem Bestand finden sich nach dem 2. Weltkrieg gestellte Anträge auf Lastenausgleich, d.h. auf Ersatz für verlorenes Hab und Gut. Antrag konnte man nur in Westdeutschland ab 1952 stellen. Die DDR-Führung ließ dies nicht zu. Anträge auf Lastenausgleich stellen eine wertvolle Quelle zu den Geflüchteten und Vertriebenen Schlesiens dar. Neben persönlichen Angaben zu den Antragstellern und anderen Geschädigten beinhalten diese Akten auch Namen von Zeugen und Inventare ihrer Behausungen. Selbst wenn man aufgrund Datenschutzes keinen Zugang zu den Akten selbst hat, so lässt sich dennoch anhand der Aktentitel feststellen, wo gewisse Personen nach dem Krieg hinkamen. Siehe den Punkt “Bundesarchiv” weiter unten für eine Suchanleitung.
  • Ostdokumentation: Ebenso verwaltet das Staatsarchiv die sogenannte Ostdokumentation, welche neben Augenzeugenberichten auch Seelenlisten und Ortspläne (mit Verzeichnissen der in der jeweiligen Bewohner der Häuser) aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs beinhaltet.

Zugang zu diesen Daten kann datenschutztechnisch schwierig sein. Wartezeiten können lang sein.

Meldekarten / Melderegister

Meldekarten (“karta meldunkowe”) haben aus Schlesien fast überhaupt keine überlebt. Persönlich sind mir nur die Meldekarten von Liegnitz (GSta PK, Staatsarchiv Liegnitz), Ratibor (Staatsarchiv Ratibor) als relativ weitgehend erhaltene Quellen bekannt. Meldekarten enthalten Informationen wie die Geburtsorte und -daten der Haushaltsmitglieder, ihre Adresse(n), sowie ihre Umzugsdaten (mitsamt ihrer neuen Adressen).

Testamente

Testamente werden meist in den Beständen von Amtsgerichten aufbewahrt, Grundakten enthalten aber auch ab und an welche. Gerade bei Familien, deren Mitglieder verzogen, sind Testamente hilfreich, um die Wohnorte der Personen festzustellen. Eine einfache Suche nach den Namen der gesuchten Personen bei szukajwarchiwach.pl kann dabei helfen, Testamente zu finden. Allerdings sind die Unterlagen der Amtsgerichte meist noch nicht so weit inventarisiert, dass man nach individuellen Testamenten suchen kann. In vielen Staatsarchiven gibt es zudem Konvolute zu bestimmten Notaren (“akta notariusza…”). Ob diese Akten weitere Testamente enthalten, ist mir nicht bekannt.

Akten von Innungen / Zünften

Die schlesischen Zünfte (“cech”) wurden oft “Mittel” genannt. Es haben zwar zahlreiche Innungsakten überlebt, wie man mit einer einfachen Suche nach “cech” auf szukajwarchiwach feststellen kann, das genaue genealogische Potenzial dieser Akten ist mir aber nicht bekannt. Aufpassen: Zum Teil werden Innungsakten in den Stadtakten der jeweiligen Orte aufbewahrt.

Volkszählungen

Die Fragebogen zu Volkszählungen wurden generell vernichtet, es sind nur statistische Auswertungen erhalten geblieben.

Sonstige Einwohnerlisten

In den Stadtakten einiger Städte finden sich auch Wählerverzeichnisse, Listen von Zugezogenen und andere Einwohnerlisten.

Sonderfall Breslau: Steuerlisten

Steuerlisten wurden generell nicht aufbewahrt, die einzige bekannte Ausnahme bildet Breslau. Für diese Stadt haben Klassensteuerrollen für den Zeitraum 1881-1906 überlebt. Diese stellen eine exzellente Quelle für Breslau dar, da sie neben dem Geburtsdatum des Steuerzahlenden auch dessen Geburtsort verzeichneten. Wie man die Klassensteuerrollen findet, wird hier erläutert.

Bundesarchiv

In den Ostgebieten nimmt das Bundesarchiv eine besondere Rolle ein, zumal das Bundesarchiv nicht nur personenbezogene Unterlagen von Mitgliedern verschiedener nationalsozialistischer Organisationen (z.B. NSDAP, SA, SS, Organisation Todt), Fallakten zu Gerichtsverfahren und personenbezogene Unterlagen der Einwandererzentralstelle, sondern auch die Akten zum Lastenausgleich (siehe Punkt “Lastenausgleichsarchiv / Ostdokumentation”  für eine Erläuterung) aufbewahren. Personenbezogene Akten der nationalsozialistischen Organisationen können unter Umständen auch Ariernachweise enthalten, was für Genealogen extrem wertvoll ist (im Normalfall aber nur Akten der SS). Im Folgenden wird die Suchstrategie für das Bundesarchiv erläutert.

Den Kern der Suche im Bundesarchiv bildet die Suchmaschine Invenio. Leider ist die Suchmaschine recht fehlerbehaftet – kommen nur Fehlermeldungen, muss man es zu einem anderen Zeitpunkt nochmal versuchen. Zuerst klickt man oben auf “Ihre Recherche mit invenio starten”, dann oben auf “Suche” und dann auf “Personensuche” in der Zeile darunter. Dies öffnet die Suchmaske. Je nach Unterlagentyp gibt es verschiedene Suchstrategien. Die Suchparameter Name, Vorname und Geburtsdatum funktionieren aber immer.

  • Personenbezogene Unterlagen nationalsozialistischer Organisationen: Hier ist oft auch der Geburtsort hilfreich.
  • Lastenausgleich: Hier sind im Normalfall unter “Personeninformation” drei verschiedene auswählbare Parameter hilfreich: “Kreis” und “Gemeinde” betreffen den Wohnort der Person vor dem Krieg, “Produzierendes Amt” den Ort der Antragstellung. Somit lässt sich der Wohnort nach 1952 auf die Gegend um das produzierende Amt einschränken.

Aufpassen: Orts- und Kreisnamen müssen präzise sein – “Hindenburg O.S.” statt nur “Hindenburg” oder “Hindenburg O. S.” mit Leerzeichen, “Sorau (Lausitz)” statt nur “Sorau” – und man sollte sowohl die Ortsnamen vor und nach der Eindeutschung polnisch klingender Ortsnamen in den 1930ern versuchen. Über die Vollständigkeit von Invenio ist leider nichts bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass im Laufe der Zeit mehr Akten verzeichnet werden.

Sonstige Quellen

Die obige Liste ist natürlich nur eine Sammlung der wichtigsten Aufzeichnungen. Davon abgesehen sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Staatsarchive Polens bergen einen Reichtum an verschiedenen Sekundärquellen, man muss sie bloß finden. Oft hilft es, den Ortsnamen auf szukajwarchiwach einzutippen oder den gesuchten Unterlagentypus auf Polnisch zu übersetzen und auf der Seite einzugeben.

Ortssuche, Karten und Fotos

Ortssuche und Feststellen der Zuständigkeit von Standesämtern und Kirchen

Kartenmeister

Kartenmeister.com ist ein Ortsverzeichnis, welches fast selbst kleinste Orte in Schlesien erfasst und zudem angibt, welches Standesamt und welche Kirchen für den Ort zuständig waren. Bei Ortsnamen mit Präfixen wie “Alt” oder “Neu” sollte man diese durch Leerzeichen getrennt angeben (“Alt Tarnowitz” nicht “Alt-Tarnowitz” oder “Alttarnowitz”). Man kann auch seine Suchnamen für jeden Ort registrieren und nachsehen, ob andere Forscher nach diesen Namen suchen bzw. in den jeweiligen Orten forschen. Aufpassen: Die Seite ist oft offline.

AGOFF, GOV, Meyer’s Gazetteer

Alternativ kann man bei AGOFF nachsehen, welche Kirchen und Standesämter für die Orte zuständig waren. Alternative Ortsverzeichnisse sind das GOV und Meyers Gazetteer.

Historische Karten

Mapire.eu bietet eine historische Karte bestehend aus hunderten Messtischblättern im Maßstab 1:25000 als Overlay über die heutige Karte. Damit lässt sich genau feststellen, wo ein Ort heute liegt. Benötigt man eine Karte aus einem anderen Zeitraum, so empfiehlt sich ein Blick auf landkartenarchiv.de, dort gibt es für jeden Kartenausschnitt mehrere Karten.

Ortspläne

Siehe Kapitel “Lastenausgleichsarchiv / Ostdokumentation”.

Bilder

Historische Bilder findet man auf fotopolska.eu (auf “Mapa” klicken) und polska-org.pl.

Akten der Verwaltung

Die Institutionen des preußischen Staats sammelten viele hilfreiche Primär- und Sekundärquellen. Besonders interessant sind Stadtakten (“akta miasto”, “akta gminy”), Amtsgerichte (“sąd obwodowy”), Landgerichte (sąd krajowe) Landratsämter (“starostwo powiatowe”) und Katasterämter (“urząd katastralny”). In diesem Beitrag werden die Stadtakten und Amtsgerichte näher erläutert.

Stadtakten

Stadtakten (“akta miasto”, “akta gminy”) beinhalten alle Überbleibsel der Zivilverwaltung für einen gewissen Ort und sind für Ahnenforscher extrem interessant. Ein Großteil der Akten bezieht sich auf Anordnungen und Kostenrechnungen, aber es sind auch immer wieder Schätze dabei. Stadtakten enthalten unter anderem oft Wählerlisten, Kostenrechnungen der Kirchen (vor allem bei Begräbnissen interessant), Akten der Innungen, Listen von Zugezogenen, Listen von Juden, denen das Bürgerrecht erteilt wurde, Listen von Vereinsmitgliedern, Listen von Mitgliedern der Stadtwache, sowie Polizeiakten. Ebenso sind Stadtakten oft Konvolute für alle möglichen anderen Unterlagen, die sonst in einem eigenen Bestand aufbewahrt werden. In den Stadtakten von Brieg finden sich beispielsweise die Aufgebotsregister des Standesamts Brieg sowie Urbarien und Grundbücher von verschiedenen Orten des Kreises Brieg. Da die Inhalte oft auf Polnisch übersetzt wurden, empfiehlt sich beim Stöbern die Verwendung eines Google-Übersetzer-Plugins.

Bisher wurden von drei Orten umfangreiche Akten veröffentlicht. Nach weiteren Akten kann man auf szukajwarchiwach suchen, indem man “akta miasta” oder “akta gminy” und den polnischen Namen des Ortes angibt und links nach “Bestände” filtert.

Amtsgerichte

Amtsgerichte (“sąd obwodowy”) sind für die Ahnenforschung extrem interessant, beinhalten sie doch viele der wichtigsten Unterlagen zur Ahnenforschung in Schlesien. Zum einen wurden in Amtsgerichten Kirchenbuchduplikate aufbewahrt, zum anderen verwalteten diese Gerichte die Grundakten der schlesischen Orte. Testamente wurden ebenfalls hier verwaltet. Ebenso interessant sind diese Gerichte bei Fällen von unehelichen Kindern – man kann zu diesen sogenannte Pflegschaftsakten finden.

Amtsgerichte gab es in fast allen mittelgroßen Städten. Allerdings wurden sie über die Jahre hinweg mehr und mehr zentralisiert. Bei Meyer’s Gazetteer kann man nachsehen, welches Amtsgericht für einen gewissen Ort zuständig war (Abkürzung: AG). Es folgt nun eine Liste aller bekannten Bestände zu schlesischen Amtsgerichten. Leider handelt es sich oft um Konvolute, die man nur vor Ort nach den genauen Inhalten erforschen kann. Dies bedeutet aber auch, dass diese Akten noch viele Überraschungen für schlesische Ahnenforscher beinhalten können.